Überflieger

Überflieger:
Warum manche Menschen erfolgreich sind — und andere nicht
In seinem Buch erklärt Malcolm Gladwell warum Wunderkinder nicht vom Himmel fallen. Manche haben mehr Talent als andere, aber sobald man genug Talent hat machen der persönliche Ehrgeiz und die Einstellung zu Autoritäten den Unterschied. Da diese beiden Faktoren sehr stark von der Familie beeinflusst werden, versucht er damit auch die Klassenunterschiede zu erklären. Der letzte und oft wichtigste Faktor ist aber der Zufall. Es ist wichtig zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
Man kann also Erfolg nicht exakt planen, wenn man aber seine Zeit nicht ausschließlich vor dem Fernseher verbringt, stehen die Chancen besser am richtigen Ort zu sein.
Die 10.000h Erfahrung die man in einem Bereich haben muss, bevor man etwas beherrscht habe ich gleich heute Morgen in einer Blitzumfrage bei Parasol überprüft. Ergebniss: jeder hat die Stunden erreicht. Aber auch Zufälle und Familienerfahrung haben zu ihrer Karriere beigetragen.
Mir selber habe ich die Frage schon letzte Nacht gestellt.
Aber fangen wir mit den Zufällen an. Denn diese führten zu den 10.000h Praxis die nötig waren um erste Jobs als Freelancer zu bekommen.
- In der Familienrestaurant lernte ich den Umgang mit vielen verschiedenen Leuten. (Auch wenn der Sauerländer Ton etwas härter ist) Da mein Vater deshalb auf Augenhöhe mit mittelständischen Unternehmern und Bankiers verhandelte, konnte ich nebenbei lernen wie das geht.
- Mein Vater kaufte einen 386er auf dem ich Anfangs nur Paintbrush hatte. Mein Einstieg ins Computerdesign. Aber um Spiele starten zu können, lernte ich Batchdateien zu schreiben.
- Ich spielte diverse Spiele und lernte auf diese weise mich schnell an neue Bedienungselemente und Steuerungssysteme anzupassen. Wohl auch ein Grund warum ich heute sehr schnell in neue Software einsteigen kann.
- Zur Gestaltung von Speisekarten schaffte mein Vater CorelDraw und MS Publisher an, die ich nebenbeit lernte.
- Durch mein Kommuniongeld hatte ich genug Mittel um mir als einer der ersten bei uns im Dorf einen CD Brenner zu kaufen. Und auch wenn mich viele für bescheuert gehalten haben fast 600DM für das Gerät und 100 Rohlinge zu bezahlen, hatte ich durch das erstellen von Sicherungskopien diese innerhalb eines Monats in 1000DM gewandelt. Durch meinen Erfolg anstoßen kauften sich dann viele andere einen Brenner und die Preise gingen in den Keller. Da ich aber durch die Kneipe eine gewisse Bekanntheit als Kopierdienst erwarb, waren Sicherungskopien mein wichtigster Nebenjob. Später wiederholte ich das Muster und verkaufte Buttons bei Ebay.
Das war aus mehreren Gründen eine wichtige Lektion für mich.
- Ich habe ein Gespür für den Markt
- Wenn alle sagen eine Idee ist Mist, kann ich trotzdem recht haben.
- Alles erfolgreiche wird kopiert
- Ich hatte meinen ersten Kontakt mit viralem Marketing (Was mir damals natürlich nicht bewusst war)
- Weil mein Nachbar eine Videokamera hatte, die er mir lieh, konnte ich schon ziemlich früh erste Erfahrungen mit Bewegtbild sammeln.
- Auch Internet hatten wir schon zu 36.6K Modem Zeiten
- Mein Deutschlehrer gab mir einen Flyer für die GTA Ausbildung in Siegen.
- Anders als beim Mediengestalter gabs zum GTA nen Fachabi geschenkt und ich vertiefte mein Wissen im Bewegtbild.
- Ich musste ein Praktikum machen und landete in der Drucktechnik Firma vom Cousin meines Vaters und fands ziemlich ätzend.
- Zur selben Zeit war zufällig der Geschäftsführer von Veltins da. (Unser Haus war eine der letzen Veltinsbastionen vor Krombach) Da ich vorher den ganzen Tag Veltinsaufkleber ausgehoben habe, beschwerte ich mich über diese stumpfe Arbeit. Und er bot mir 4 Wochen in der Marketing Abteilung an.
- Da ich bei diesem Praktikum grad 18 war, passte ich perfekt in die Zielgruppe vom neuen Biermix Getränk. Ich lernte Marktforschung kennen und vermittelte gestalterische Arbeit an BWLer. Zudem bekam ich mit, wie Werbekunden Entscheidungen treffen. Und da ich Rechnungen kopieren musste, sah ich auch einige Summen.
- Veltins bot mir zwar ein Duales Studium an, aber halt Marketing aber das war mir zu trocken. Aber sie steuerten meiner Bewerbung bei KNSK ein Empfehlungsschreiben bei. Ich denke dieses öffnete mir die Tür.
- In Hamburg lernte ich dann eine große Agentur von Innen kennen und mir wurde klar, wie wenig ich konnte. Deshalb entschied ich mich auch für ein Studium.
- Dann kam mir die Bundeswehr in die Quere und ich musste Stolz meinem Vaterland dienen. Zumindest war das Ihr Plan. Aber ich konnte die Inkompetenz meiner meist schlechter gebildeten aber auf Grund ihres Zeitvertrags über mir stehenden Vorgesetzten nicht mehr ertragen. Einem Psychologen schilderte ich dieses Problem und er schrieb mich Krank zuhause. Und nur so hatte ich genügend Zeit meine Mappen vorzubereiten.
- Ich versuchte es bei vielen Hochschulen, bei Mainz bewarb ich mich nur, weil man dort nicht zeichnen muss und wurde auch nur dort angenommen.
diese Liste kann ich mit Sicherheit noch ewig erweitern (Was ich bei Gelegenheit machen werde) und ich habe viele Menschen ausgelassen, die mir ebenso geholfen haben.
Meine Aufzählung zeigt aber auch, wie viele Zufälle geerbt waren. Viele andere mit ähnlichem Talent haben nicht diese Chancen bekommen. Andere hatten noch viel mehr Möglichkeiten. Am Ende zählen die Möglichkeiten die man nutzt.
und deshalb schließe ich mit einem Zitat
Wenn wir eine bessere und gerechtere Welt wollen, dann müssen wir dieses System der glücklichen Zufälle durch eine Gesellschaft ersetzen, die allen die gleichen Möglichkeiten eröffnet. … Die Welt könnte sehr viel reicher sein als die, mit der wir uns heute zufriedengeben S.236
http://www.amazon.de/Überflieger-manche-Menschen-erfolgreich-andere/dp/3593388383
28. Februar 2009 um 03:18
Wänn üsch druff cligge, denn kimmt do gor kein Blick ins Buch!
28. Februar 2009 um 03:29
So, nun zum Text:
Sehr cool. Darüber habe ich mir auch schonmal Gedanken gemacht. Hätte es an meiner Schule keine Video AG gegeben, hätte ich wesentlich weniger Erfahrungen mit Bewegtbild. Zumal mich eine Mitschülerin ersteinmal überredet hat dort mitzumachen. Somit kann ich immerhin sagen, dass ich an einem VHS Schnittplatz gearbeitet habe. Schön manuell Band rein, Record drücken, anderes Band abspielen. Bzw. gab es da auch schon Mark In und Mark Out (falls das so heisst… hab seit Ewigkeiten nicht mehr richtig geschnitten).
Der zweite Zufall war, dass wir irgendwo feiern waren und ich, weil ich nicht mehr nach Hause kam, bei einem Kumpel übernachtet habe. Dieser musste am nächsten morgen irgendwie mit seiner Familie essen oder sowas und hat mir kurz vorher eine Einweisung in Photoshop gegeben. Ohne diese hätte ich meine Freizeit in der Schule mehr mit zocken, als mit Gestaltung verbracht und wäre noch lange nicht so weit, wie jetzt.
Für mein zusätzliches Wissen spielt auch das Internet eine große Rolle.
Ohne Internet Tutorials oder Foren müsste man die halbe Stadt nach Leuten durchsuchen, die sich mit dem jeweiligen Thema auskennen.
28. Februar 2009 um 03:34
Was das eigentlich Verrückte am letzten Punkt ist, dass ich mit dem Kumpel nur eine recht oberflächliche Freundschaft habe und danach kaum noch was mit ihm zu tun hatte. Dabei habe ich ihm eigentlich viel zu verdanken.
Zu guter letzt waren wir beide hinter dem selben Mädel her und ich habe sie letzendlich bekommen. Irgendwie fies, aber so spielt das Leben.
Na wenigstens bin ich (nach vier Jahren) immernoch mit ihr zusammen.
29. Dezember 2009 um 17:21
[...] Bevor man was kann muss man 10.000 Stunden üben [...]